Was bedeutet das? – Meistens stellt man sich dabei sofort Nahaufnahmen von Blumen oder Tieren vor. Doch die Makrofotografie beinhaltet weit mehr als nur Blumenmotive. Versucht man einmal alle möglichen Dinge vor die Linse des Makroobjektivs zu platzieren, entstehen ganz interessante Bilder. So erhält man plötzlich eine ganz andere Sichtweise auf Alltagsgegenstände.

Alle Bilder wurden mit einer Sony Alpha 500 (APS-C Sensor) und einem Macro 100 / 2.8 Objektiv gemacht.

Alle Bilder wurden mit einer Sony Alpha 500 (APS-C Sensor) und einem Macro 100 / 2.8 Objektiv gemacht.

In diesem Beitrag versuche ich euch die Grundlagen und die nötige Ausrüstung der Makrofotografie vorzustellen. Ausserdem gebe ich Tipps die auch allgemein, also in vielen Teilbereichen der digitalen Fotografie, Anwendung finden.

 

Ausrüstung

Wer kein Makroobjektiv besitzt, sollte es mit einer kompakten Digitalkamera versuchen. Diese erleichtert den Einstieg und den Entscheid ein teures Objektiv anzuschaffen. Mit dieser ist es jedoch schwierig mit selektiver Schärfe zu gestalten, da bei einem kleinen Sensor fast das ganze Bild scharf abgebildet wird. Allenfalls kann man auch einmal mit einem Tele losziehen. Man sollte dabei jedoch nicht vergessen das der Abstand zum Motiv schnell gross werden kann.

f/2.8, 1/600s, ISO200 ( Im Gegenlicht der Morgensonne aufgenommen)

f/2.8, 1/600s, ISO200 ( Im Gegenlicht der Morgensonne aufgenommen)

Der Einsatz eines Statives ist meistens sehr zu empfehlen. Umso kleiner man die Blende schliessen möchte, also eine möglichst grosse Schärfentiefe erreichen will, steigt die Verschlusszeit an und ein kleiner Ruckel an der Kamera verursacht ein unscharfes Bild. Ein weiterer Vorteil ist auch, das von Hand scharf gestellt werden kann. Oft genug verweigert der Autofokus im Nahbereich, dass der gewünschte Punkt scharf abgebildet wird.

Man könnte die Kamera auch noch mit einer Fernbedienung auslösen, damit die Kamera beim drücken des Auslöser nicht verwackelt oder an was viele nicht denken, den Selbstauslöser auf z.B. zwei Sekunden einstellen. Bei gutem Licht ist dies zwar nicht nötig, in speziellen Situationen ist es aber immer von Vorteil, um die verschiedenen Möglichkeiten zu wissen. Viele Kameras bieten auch eine Spiegelvorauslösung an. Wie der Name schon sagt wird dabei der Spiegel vor der Aufnahme hochgeklappt und erst danach das Bild geschossen.

Als Faustregel gilt, dass man bis zum Kehrwert der Objektivbrennweite ohne Stativ verwacklungsfrei aus der Hand fotografieren kann. Z.B. bei Verwendung eines 100mm Objektives wären 1/100s Verschlusszeit ohne Verwacklung möglich.

Wer kein Stativ zur Hand hat, kann auch den ISO-Wert erhöhen. Dies ist jedoch nicht immer sehr empfehlenswert, da dadurch das Bildrauschen verstärkt wird. Somit wird auch der Schärfeeindruck und die Bildqualität beeinträchtigt. Dies kann aber durchaus auch als Gestaltungsmittel eingesetzt werden. Zum Beispiel um das Bild, wie in analogen Zeiten, körnig erscheinen zu lassen. Als Faustregel gilt jedoch wenn möglich ISO-Wert immer tief halten.

 

Einstellungen

Anfangs kann die Kamera gut auf das Makroprogramm eingestellt werden (Meistens ein kleines Blumensymbol auf dem Einstellrad). Später empfehle ich das Einstellen von A oder Av (je nach Kamera verschieden), also verwenden der Blendenvorwahl. Bei lichtstarken Objektiven kann mann mit einer kleinen Blendenzahl, also einer grossen Blendenöffnung, schöne unschärfe Effekte erzielen. Dies wird mit Fachbegriff  als selektive Schärfe bezeichnet. Mehr als bis f22 würde ich aber nicht abblenden. Bei den meisten Objektiven wird das Bild nicht wirklich noch schärfer abgebildet und es machen sich unschöne Lichtbeugungseffekt bemerkbar.

Versucht man einmal die Blende nur soweit wie nötig zu schliessen entstehen oft interessantere Bilder. Das Bild muss also nicht immer von vorne bis hinten knackscharf abgebildet sein. Besser ist es nur den wichtigen oder den aussagekräftigsten Teil des Bildes scharf abzubilden. So entsteht eine bessere Bildaussage.

Vielfach ziehe ich die Belichtungskorrektur hinzu, um das Bild aufzuhellen oder abzudunkeln, damit  die Farben leuchtender wirken. Schlussendlich ist die Kameraeinstellung jedoch immer von der gestalterischen Idee des Fotografen/ Fotografin und von der Kameramöglichkeiten abhängig.

 

f5.6 | 1/320 | ISO200

f5.6 | 1/320 | ISO200

Bildaufbau

Beim Bildaufbau ist es anfangs ratsam die Motive nicht gerade in der Bildmitte zu platzieren, ansonsten wirken zum Beispiel Blumenmotive schnell langweilig. Selbstverständlich kann man die Motive auch in den Goldenen Schnitt setzen. Arbeitet man mit verschiedenen Formaten, hoch, quer oder auch einmal quadratisch, lässt dies die Bilder schnell interessant aussehen. Wer das Gefühl hat das eine zu grosse, leere Fläche im Bild entsteht sollte daran denke, dass diese später mit einem Spruch versehen werden kann, zum Beispiel wen man das Foto als Dankeskarte etc. verwenden will.

Der Vorteil der Makrofotografie ist, dass man das Bild nicht mit Informationen überfrachten kann, da im Nahbereich nicht allzuviel aufs Bild passt. Viele Einsteiger versuchen soviel wie möglich aufs Bild zu bekommen, so dass später der Bildinhalt miteinander konkurrenziert und für den Betrachter keine Bildaussage entsteht.

 

f8 | 1/160sek | ISO200 | Bildstabilisator

f8 | 1/160sek | ISO200 | Bildstabilisator

Background

Die Makrofotografie lebt von der sogenannten selektiven Schärfe (siehe Bild). Mit einer grossen Brennweiten wird der Hintergrund verdichtet und bei kleiner Blendenzahl sind nur noch ein paar Farbflächen und Punkte zu erkennen. Jedoch sollte man darauf achten, dass helle Flächen nicht ausfressen oder der Hintergrund das Bild dominiert. Um das Motiv freizustellen, kann man allenfalls hinter dem Motiv einen kleinen weissen Karton oder ein Blatt Papier platzieren.

 

f2.8 | 1/160sek | +1LW | Stativ

f2.8 | 1/160sek | +1LW | Stativ

Licht!

In vielen Bereichen der Fotografie wird das Licht der Frühen Morgen oder Abendstunden sehr geschätzt. Dies gilt auch in der Makrofotografie. Im Frühling und Sommer bedecken morgens unzählige Tautropfen die Grässer und es herrscht auch meist Windstille. Ist der Himmel von Wolken bedeckt hat dies die Wirkung eines Weichzeichners. Die Gegenstände werden von weichem Licht angestrahlt also gleichmässig ausgeleuchtet.

Wenn zuwenig Licht vorhanden ist, sollte man versuchen den Blitz einzusetzen, jedoch klappt das nicht immer. Oft befindet man sich so nahe am Fotoobjekt, dass ein Objektivschatten entsteht oder der Blitz über das Motiv hinweg feuert. Deshalb sollt man den Blitz mit einem Diffusor versehen.

Wer ein Blitzgerät zur Verfügung hat, soll dieses losgelösst verwenden. Wen der Blitz seitwärts oder sogar als Gegenlichtquelle verwendet wird entstehen faszinierende Bilder. Wer einen Makroblitz zur Hand hat ist natürlich klar im Vorteil. Als Alternative kann man sich auch eine Ringlampe kaufen diese eignet sich jedoch nur fürs Heimstudio.

Beim Stichwort Licht vergessen viele den Weissabgleich. Dabei definiert man für die Kamera die Farbe weiss. Das menschliche Auge passt sich fortlaufend dem Umgebungslicht an, was der Kamerasensor aber nicht oder nur bedingt kann. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte im RAW Format fotografieren. Dan kann man später bequem am PC den Weissabgleich vornehmen. Wer seine Bilder viel bearbeitet, empfehle ich dies sowieso, da eine grössere Farbtiefe für die spätere Bearbeitung vorhanden ist.

Durch ändern des Weissabgleichs entstehen interessante Farbspiele und das ohne grossen Aufwand. Bild 5: f6.3 | 1/125sek | -0.3LW

Durch ändern des Weissabgleichs entstehen interessante Farbspiele und das ohne grossen Aufwand. f6.3| 1/125sek | -0.3LW

 

Übung

Um „bessere“ Fotos zubekommen brauchtes vor allem Übung und ein geschultes Auge um das Motiv überhaupt zu sehen. Manchmal entsteht ab und zu ein Zufallstreffer, aber damit die Fototour nicht zur Lotterie wird, braucht es Selbstkritik. Was kann ich nächstes Mal besser machen? Wieso ist diese Foto nicht scharf genug? Was ist hier falsch gelaufen?

Ideal ist es, wenn man ein interessantes Objekt zur Hand hat welches man zu jeder Tages- und Jahreszeit fotografieren kann. So lernt man alle verschiedenen Lichtsituationen kennen. Was ein grosser Vorteil  ist wenn es einmal schnell gehen muss.

Durch gezieltes einsetzen von Schärfentiefe, wir auch eine einfache Holzwand zum interessanten Fotosujet. f4.5 | 1/160sek | ISO200

Durch gezieltes einsetzen von Schärfentiefe, wird auch eine einfache Holzwand zum interessanten Fotosujet. f4.5 | 1/160sek | ISO200

So, ich hoffe, dass diese kleine Anleitung euch die Makrofotografie etwas näher bringen und zeigen konnte, dass Makrofotografie mehr ist, als „nur Blumen“ zu fotografieren.

Nun wünsche ich euch viel Spass beim Fotografieren und Experimentieren und natürlich gute Bilder.

f5.6 | 1/160sek | ISO200 | +0.33LW

f5.6 | 1/160sek | ISO200 | +0.33LW

 

f7.1 | 1/250sek | ISO200

f7.1 | 1/250sek | ISO200